dieBasis Cafè Kreisverband Lörrach. Wir freuen uns auf Dich!

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Diese AG dient zur Information und als Treffpunkt für neue Mitglieder sowie für Interessierte.

Die AG dieBasis Cafe trifft sich 1 mal pro Monat ( unter Corona Massnahmen per Zoom ).
Die Treffpunkte werden vorher per E-Mail bekannt gegeben und der Termin wird in der Regel ein bis zwei Wochen vorher festgelegt.

Hier können Fragen zu den 4 Säulen, der soziale Dreigliederung, die Struktur der Partei, sowie alle anderen Fragen beantwortet werden.

Ganz besonders ist uns wichtig, die Begegnung von Menschen zu Mensch, um uns austauschen zu können und somit zu einer Gemeinschaft im Sinne von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit beizutragen.
Für uns sind Mitglieder der Partei keine zahlenden ananonymen Nummern, deshalb freuen wir uns jeden Einzelnen von Euch bald kennenzulernen !

Leitung : Jeanette Kiefer-Cardinale (Kreisverbandsvorsitzende)

Vorträge der vergangenen dieBasis Café Veranstaltungen
Vortrag 24. 7. 2021 Franz Lessmann-Schreiber

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Öffentliche Meinung oder die demokratische Seele
im Pendelschlag zwischen gesunder Entwicklung und Manipulation

Zum Thema:
Jeder von uns hat eine Meinung, die zum Teil emotionaler Natur ist, durchaus aber auch rationale Bestandteile aufweist, je nach persönlicher Entwicklung. Wir haben uns diese aus Bildern und Erlebnissen erarbeitet. Zusammen bilden wir so dann eine öffentliche Meinung, wenn wir uns politisch betätigen. Mit dieser öffentlichen Meinung bilden wir die Grundlage unserer demokratischen Seele. Sie ist Grundlage, mit der wir Entscheidungen treffen – Kaufentscheidungen – politische Wahlenentscheidungen.
Diese demokratische Seele braucht aber eine „Schulung, damit sie sich gesund entwickeln kann. Sie ist aber auch zum Angriffspunkt für Manipulationen geworden.

Kurzer Überblick:
Ich werde Euch heute etwas von der Nikomachischen Ethik des Aristoteles erzählen. Das antike Griechenland galt ja als die Wiege der Demokratie und eines selbstbewussten Bürgertums.
Dann werde ich einen großen Sprung in das ausgehende 19. Jahrhundert machen. Die Französische Revolution ist gerade vorbei und die Industrielle Revolution ist gerade dabei sich mächtig zu entfalten.
Hier will ich auf Gustave LeBon aufmerksam machen mit seinem Hauptwerk „Psychologie der Massen“, das 1895 erschien. Bis heute eine Lektüre aller bedeutenden Führer und Politiker (Hitler wie Helmut Schmidt). Ich werde danach auf wichtige Gedanken von R. Steiner aufmerksam machen, die rückwirkend mit Aristoteles sehr eng verbunden sind. Gleichzeitig werde ich auf einen amerikanischen Zeitgenossen von R. Steiner hinweisen, Walter Lippman. Er war ein sehr enger Berater von Woodrow Wilson und sorgte 1922 mit seinem Buch „Die öffentliche Meinung“ bei den Eliten von Amerika für großes Aufsehen. Seine Beobachtungen brachten einen anderen amerikanischen Zeitgenossen, Edward Bernay auf die Idee 1928 daraus ein Manipulations-Handbuch Titel „Propaganda“ zu verfassen. Es ist bis heute ein Grundlagenwerk für Werbung und politische Propaganda. Mit diesem Buch wurden die Weichen zur bewussten Manipulation gelegt. Zum Abschluss werde ich dann noch einmal einen kleineren Sprung in die Gegenwart, diesmal zu einer Frau, machen: Elisabeth Wehling und ihrem 2018 erschienen Buch: Politisches Framing – Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht.
Wir werden also ca 2000 Jahre, „demokratischen Handelns“ im Zeitraffer in etwa 40 Minuten durchlaufen. Mein Ziel ist es dabei euch neugierig für diese Literatur und dieses denken zu machen. Wenn ihr noch keine Urlaubslektüre habt, steht hier einiges zur Disposition.

Beginnen wir mit der Nikomachischen Ethik von Aristoteles.

Der Titel der Abhandlung ist bis heute in seiner Übersetzung schwer zu verstehen. In seiner philosophischen Schrift geht es Aristoteles dabei um die Handlungen des Menschen. Um bewusste und zielgerichtete Handlungen, Gutes zu tun (Ethisches handeln).
Nikomachos hieß sein Sohn und sein Großvater
Das höchste Gut, worauf es Aristoteles ankommt zu erreichen, beschreibt er mit Eudaimonia. Auch wieder ein Begriff, der schwer zu übersetzen ist. Es setzt sich aus den Silben „Eu“, welche im altgriechischen immer für das Gute, Wohl-wollende steht und daimon, der mit dem persönlichen Geist oder Wesen übersetzt werden kann. Häufig wird dieser Begriff auch mit einem „erfüllten Leben“ gesehen. Für Aristoteles war es ein erfülltes Leben, wenn man es in seinem Handeln entweder in der Theoria (Wissenschaft) oder Politeia (Sorge um das Gemeinwesen) erreicht hat. Wobei die Politeia für Aristoteles die größere Bedeutung hatte. Das zeigt sich auch in der Tatsache, dass die Nikomachische Ethik beinahe nahtlos in die Politeia, seinem nächsten Werk übergeht.
Wie man nun dieses „erfüllte Leben“ erreichen kann, wird in dieser Nikomachischen Ethik sehr ausführlich beschrieben. Doch bevor ich darauf eingehe, muss ich noch etwas zum Menschenbild von Aristoteles erzählen.
Aristoteles erklärt den Menschen im Wesentlichen von seiner Seele her. Für ihn ist es die Seele, die einem Einzelwesen die Gestalt, die Entwicklung und seine Fähigkeiten festlegt. Aristoteles unterscheidet drei Seelenanteile des Menschen. Er hat einen:

1. vegetativen Seelenanteil – den hat er mit den Pflanzen und den Tieren gleich. Dieser Anteil ist verantwortlich für sein Wachstum und einfache Regelprozesse
2. sensitiven Seelenanteil – den hat er mit den Tieren gemein. Dieser ermöglicht die Fortbewegung, Wahrnehmung, Empfindung
3. rationalen Seelenanteil – den hat er ausschließlich nur als Mensch. Dieser macht das Denken und Urteilen möglich. Dieser Anteil ist in der Lage den Willen zu steuern und dass der Mensch die Motive der vegetativen und sensitiven Seele zu beherrschen vermag.

Aristoteles beginnt nun seine Nikomachische Ethik mit jenen berühmten Sätzen:
… Jede Kunst und jede Lehre, ebenso jede Handlung und jeder Entschluss scheint ein Gut zu erstreben. Darum hat man mit Recht das Gute als dasjenige bezeichnet, wonach alles strebt. …

Nach Aristoteles ist das wesentliche des Menschen sein Handeln – Tun – sein Wille. Mit dem idealen Ziel der Eudaimonia. Doch ganz blauäugig ist er dabei nicht. Er weiß wohl um seine Athener Mitbürger und deren persönliche Entwicklung.
An dieser Stelle bringt nun Aristoteles die Tugenden in unser Bewusstsein. Aristoteles versteht unter einer Tugend eine Einstellung bzw. innere Haltung gegenüber einer Tätigkeit oder Handlung. Diese Tugend bringt der Mensch teilweise mit oder sie muss durch eine entsprechende Erziehung entwickelt und geschult werden. Diese Tugenden kontrollieren nun den sensitiven und rationalen Seelenanteil des Menschen.

 

Vegetativer Seelenanteil Sensitiver Seelenanteil Rationaler Seelenanteil
Wachstum, Ernährung Triebe, Affekte, Emotionen Zielgerichtetes Handeln
Dem Verstand nicht zugänglich unterbewusst. Zunächst unbewusst aber dem Verstand zugänglich Bewusst, dem Verstand zugänglich
Ethische Tugenden Dianetische Tugenden

 

Aristoteles beschreibt nun sehr genau diese Tugenden und ihre Zusammenhänge zum menschlichen Handeln. Mit diesen Tugenden versucht der Mensch das richtige Maß seiner Handlungen zu finden:

Beispiel zu den Charaktertugenden (ethischen Tugenden) zählen die

Bereich Tugend Pole Pole
Krieg Tapferkeit Feige Tollkühn
Umgang mit dem Körper Besonennheit Zügellosigkeit Lust Kenner Stumpfheit Unlust Asket
Besitz / Vermögen Freigiebigkeit Geiz Verschwendung
Hocherzigkeit Kleinlich Protzerisch
Selbstwert / Ansehen Ehrbewusstsein Ehrsüchtig Ehrgeizlos
Seelengröße Aufgeblasen Niedersinnig
Geselligkeit Sanftmut Zornmütig Zornlos
Freundlichkeit Streitsüchtig Anbiedernd
Wahrhaftigkeit Prahlerisch Tiefstapeln
Artigkeit Possenreiserisch Tiefstapelnd
Frieden Gerechtigkeit Geben Nehem

Es fällt auf, dass wir bereits hier eine Art Drei – Gliederung vorfinden. Ich möchte hier an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir in dieser „Dreigliederung“ ein allgemeines Evolutionsprinzip haben, auf das uns Rudolf Steiner aufmerksam gemacht hat.
Mit diesen Tugenden haben wir nach Aristoteles eine Art Korrektiv bekommen, mit dem wir an uns arbeiten können, um das Gute in unserem Tun zu erreichen.
Nach Aristoteles ist dafür der „Staat“ verantwortlich, der seinen „Bürgern“ durch ein „Schulsystem“ die Möglichkeit gibt, dies zu lernen und zu entwickeln.
Die ganze griechische Dramenkunst ist nichts anderes als ein Versuch einer „gelenkten“ Einflussnahme auf die Bilder seiner Bürger. Dieses Mal aber zu seinem Wohle.
Zusammengefasst haben wir nun das Menschenbild von Aristoteles, bestehend aus den drei Seelenteilen und seinen Tugenden, die unser Handeln nach Eudamonia – einem erfülltem Leben nach Möglich-keit entweder in der Theoria / Wissenschaft oder der Politeia dem Führen eines Gemeinwesen führen sollen.
Eigentlich wunderschöne erstrebenswerte Ideale, die immer wieder im Laufe der geschichtlichen Entwicklung der Menschheit aufgegriffen wurden.
Benjamin Franklin, einer der Gründerväter lebte bewusst nach diesen Grund-sätzen.

(Hinweis: Wurde im Vortrag nicht erwähnt!!!)
Helena Blavatsky hat die Tugenden von Benjamin Franklin aufgegriffen und sie ins theosophische Konzept mit integriert. Rudolf Steiner hat wiederum diese Tugenden in „sein“ Konzept mit aufgegriffen und entsprechend an die damaligen geistigen Zeitumstände und menschlichen Bedürfnisse metamorphosiert. Ein gutes Buch dazu: Die Tugenden im Jahreslauf – Wandlungskräfte der Seele, Jean Claude Lin, Verlag Freies Geistesleben)

Weiter im Vortrag
Die europäische Gesellschaft hat sich in der Zwischenzeit verändert. Sie hatte sich sprunghaft vermehrt, die Französische Revolution durchlebt und die industrielle Revolution lief auf ihren Höhepunkt zu. Das erste „sozialistische“ Gedankengut hatte die Massen erreicht.
An dieser Stelle will ich nun auf eine weitere Persönlichkeit eingehen. Gustave LeBone, einem Franzosen, geboren 1841 in Frankreich. Er erlebte 1848 die Krisenzeit der Februarrevolution und der Kommune von 1871. Beide Ereignisse trugen maßgeblich dazu bei, sich mit dem Menschen in der Masse zu beschäftigen. 1895 erschien sein Hauptwerk. „Psychologie der Massen“. Für Sigmund Freud und Max Weber war es eine Inspirationsquelle, ebenso für die Nationalsozialisten und seine Protagonisten.
LeBon zeigt in diesem Werk, wie er extrem negativ menschliche Massen und ihr Verhalten bewertet. Immer wieder schimmert eine tiefe Verachtung durch. Diesen von sozialistischen Vorstellungen beherrschten Massen stellt er den elitären, konservativen französischen Bildungsbürger gegenüber. Sein Buch ist die erste „wissenschaftliche“ Beschreibung der sozialen Massen mit einer detailgetreuen Beobachtung ihres Wesens, der Funktion und mit einer Bewertung. Er beschreibt weiter die Beeinflussbarkeit und Leichtgläubigkeit dieser Massen und er gibt Anweisungen, wie ein Führer dieser Massen zu sein hat.
Das Werk erreichte eine hohe Auflage und wurde in 10 Sprachen übersetzt. Es war im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ein Standardwerk der Führungseliten.
Es scheint, als ob es die Ideale der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit nie gegeben hat, beziehungsweise in der „Masse“ nicht angekommen waren. LeBon zeigt die Entartung und verliert dabei einen möglichen „Volkspädagogischen“ Aspekt, wie er noch von Aristoteles gefordert wurde.

An dieser Stelle will ich auf Rudolf Steiner aufmerksam machen. 1861 wurde er in Österreich geboren. 20 Jahre später als LeBon. Beide waren in gewisser Weise Zeitgenossen. Ab 1902 trat Rudolf Steiner zunächst in der Theosophischen Gesellschaft mit Vorträgen verstärkt an die Öffentlichkeit. Ab 1913 dann mit der neu gegründeten Anthroposophischen Gesellschaft.
Sein Lebenswerk, das er hinterlassen hat, ist dabei schier unfassbar reichhaltig an Hinweisen, Ideen und Grundlagen. Ich will an dieser Stelle die Dreigliederung des Menschen und des Sozialen in Erinnerung rufen. Mathias Poland hatte sie das letzte Mal detailliert dargestellt.
Ich will speziell auf die Dreigliederung der menschlichen Seelenkräfte – denken, fühlen, wollen – hinweisen. Bei Aristoteles war das alles noch sehr unscharf. Rudolf Steiner schafft Eindeutigkeiten. Aus der unscharfen Dualität (Emotional – Rational) wird eine Dreigliederung, Er trennt noch einmal den emotionalen Teil eindeutig in wollen und fühlen. Das ist sehr bedeutsam!!! Und er weist darauf hin, dass alle Seelenkräfte das Bestreben haben für sich autonom zu werden.
Das Denken ist ja bereits seit 2000 Jahren autonom geworden. Jetzt beginnt die Autonomie des „Fühlens“- dem Ort der Emotionen. Es ist aber auch der Ort an dem das Bildhafte – Träumende seine Wirkung entfaltet. Nicht umsonst hat sich Hollywood mit seiner Bildmaschinentechnik entwickeln können.
Wenn wir diese Bedeutung begriffen haben, können wir auch verstehen, warum wir in diesem Bereich angreifbar geworden sind. Vor etwa 2000 Jahren begann sich das Denken zu verselbständigen, autonom zu werden. Wir haben gelernt, einigermaßen damit umzugehen. Die Denkkräfte sind jetzt auch in der „Masse“ aktiv wahrnehmbar und können durchaus gebraucht werden.
Das Fühlen, die Emotionen beginnen sich jetzt zu verselbständigen. Sie rücken verstärkt in unser Bewusstsein, können aber auch ebenso manipuliert werden.

Hier will ich nun auf eine andere Persönlichkeit aufmerksam machen. Walter Lippman. Er wird 1889 in New York geboren. Im anglo-amerikanischen Sprachraum gilt er als der am meisten gelesene politische Autor des 20. Jahrhunderts. Bei uns ist er nur Experten bekannt. Lippmann war primär Journalist, der für eine gebildete Elite schrieb. Am Höhepunkt seines Wirkens erreichte er mehr als 10 Mio. Leser.
1922 gibt er sein Buch „Public Opinion“ – „Die öffentliche Meinung“ heraus.
2018 gab es seine erste deutsche Ausgabe!!!
1925 erscheint „The Phantom Public“. Es verstärkt und konkretisiert seine Aussagen aus „Der öffentlichen Meinung“. Beide Bücher gelten bis heute als Grundlagentexte der Medien- und Politikwissenschaft. Lippman gibt als erster in diesem Werk der Presse eine führende und verantwortungsvolle Rolle im demokratischen Handeln. Der Schwerpunkt in „Der öffentlichen Meinung“ liegt dabei in der Darstellung der Aufgabe der Presse und der Darstellung der Gefahr durch die Presse im sozialen Leben der Menschen.
Er entwickelt dabei das Konzept der gelenkten Demokratie. Er war auch der Erste, der auf die Bedeutung und Wirkung von Bildern und Sprachbildern hinwies.
Ein weiterer wichtiger Aspekt bei diesen Medien ist der Wirkbereich. Man kann sich ihnen nicht entziehen. Ausgesprochen (Radio) oder Printmedien, werden sie durch Augen und Ohren aufgenommen und setzen sich dabei ins Unterbewusstsein und lösen dort Gefühle (Sympathien – Antipathien – Begierden – Lust etc.) aus.
Durch die Wiederholungen „zecken“ sie sich regelrecht in unserem Gehirn fest.

In „Der öffentlichen Meinung“ erhebt Lippman die These von einer gelenkten Demokratie. Er schildert das an sehr anschaulichen Beispielen. Er geht dabei vom einzelnen Bürger aus, und zeigt wie dieser durch seine Bildung und Sozialisation seine Pseudorealität entwickelt und aufbaut. In dieser Pseudo-realität entstehen dabei Stereotypen. Dabei stellt er fest, dass da mehr oder weniger „chaotische Bildstrukturen“ entstehen, die mal näher mal weiter von der Wirklichkeit entfernt sind. Entsprechend haben auch die politischen Führer und Repräsentanten ihre Pseudorealitäten. Das Problem liegt nun darin, Einigkeiten und Mehrheiten bei Entscheidungen herbeizuführen. Aus diesem Grund bedarf es Experten, die von den Führenden beauftragt werden, um ein „objektives-wissenschaftliches“ Bild der Wirklichkeit zu entwerfen. Diese Experten nennt er Informationsdienste. Jetzt benötigt Lippman Medien (Zeitungen – Magazine), um diese entwickelten Bilder breitflächig zu verbreiten. Das ist für Lippmann die Presse.
Auch Lippmann ist nicht blauäugig. Er sieht deutlich die Gefahren und benennt sie auch:
Die Manipulation durch anzweifelbare „Experten“, die von einer auch anzweifelbaren „Führungselite“ bestimmt werden. Gleichzeitig bestimmt er, dass es Führungsnationen geben muss, die das „Gute“ wollen.
Für Lippmann sind das zum damaligen Zeitpunkt eindeutig die Vereinigten Staaten von Amerika. Entsprechend leitet er in Zusammenarbeit mit Woodrow Wilson den Führungsanspruch ab und legt die Formel „America First“ fest. Auf dieser Basis wurde der 14 Punkte Plan entwickelt, das Friedensangebot der USA zur Beendigung des Ersten Weltkrieges.
Ich kann diese Lektüre nur empfehlen. Man kann sich in das amerikanische Wesen gut einfühlen – nüchtern – etwas strohig – fast rational.

Die nächste Persönlichkeit, Edward Bernay, legt da noch mal eine Schippe drauf. 1891 wurde er in Wien geboren und war ein Neffe von Sigmund Freud. Als Bernay ein Jahr alt war, wanderten seine Eltern in die USA aus. 1928 gibt er sein wohl wichtigstes Werk „Propaganda“ heraus. Es wurde zum Handbuch von Joseph Goebbels.
In deutscher Sprache erschien es zum ersten Mal 2007. Bis heute gilt es als das Handbuch für bewusste Manipulation. Das ganze Buch strotzt nur so von Zynismus.

Zitat aus „Propaganda“
…Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Wer die ungesehenen Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist. Wir werden regiert, unser Verstand geformt, unsere Geschmäcker gebildet unsere Ideen größtenteils von Männern suggeriert, von denen wir nie gehört haben. Dies ist ein logisches Ergebnis der Art wie unsere Gesellschaft organisiert ist. Große Menschenzahlen müssen auf diese Weise kooperieren, wenn sie in einer ausgeglichenen funktionierenden Gesellschaft zusammenleben sollen. In beinahe jeder Handlung (s. Aristoteles) unseres Lebens, ob in der Sphäre der Politik oder bei Geschäften, in unserem sozialen Verhalten und unserem ethischen Denken werden wir durch eine geringe Zahl von Personen dominiert, welche die mentalen Prozesse und Verhaltensmuster der Massen verstehen. Sie sind es, die die Fäden ziehen, welche das öffentliche Denken kontrolliert. …

Eine kleine Anmerkung: Der Begriff der Künstlichen Intelligenz schlummerte damals noch tief und fest in den technischen Seelen der Menschen.

Ich denke diese Gedanken geben einiges her- Das Buch von Bernay noch viel mehr. Fest steht: es wurden damals und es werden immer noch diese Manipulationen betrieben. Man wusste, dass sie wirken. Aber man wusste nicht, wie und wo sie in uns ihre Wirkung entfalten. Das lieferten die Neuro- und Kognitionswissenschaften, die etwa ab den 60er Jahren immer bessere Erkenntnisse des menschlichen Gehirns lieferten.

Beispiele aus Buyology; Martin Lindstrom, Campus-Verlag und Brain Washed, Dr. Robert Lustig, Riva-Verlag:
Negativwirkung der Raucherkampagnen ——– sprechen das Suchtzentrum an

Coca-Cola – Pepsi-Cola Konkurrenz
Schluck-Test – Pepsi – Cola schmeckt besser
Geschmackszentrum („rationale“ Teil betroffen) aber der Flaschentest löst emotionale Bilder in den Menschen, die durch Werbung entwickelt wurden.
nachtägliche Empfehlung: YouTube Video von Danile Ganser über Propaganda!!!!

Ich komme nun langsam zur letzten Persönlichkeit. Es ist unsere erste Frau auf diesem Gebiet: Elisabeth Wehling. Sie ist eine Sprachwissenschaftlerin und sie versteht sehr viel von Framing.

Was ist Framing?

Zitat aus „Politisches Framing – Wie eine Nation sich ihr denken einredet – und daraus Politik macht:
…. Frames werden durch die Sprache im Gehirn aktiviert. Sie sind es, die Fakten erst eine Bedeutung verleihen, und zwar indem sie Informationen im Verhältnis zu unserer körperlichen Erfahrung und unserem abgespeicherten Wissen über die Welt einordnen. Dabei sind Frames immer selektiv. Sie heben bestimmte Fakten und Realitäten hervor und lassen andere unter den Tisch fallen. Frames bewerten und interpretieren also. Und sind sie erst einmal über Sprache etwa jener in öffentlichen Debatten – in unseren Köpfen aktiviert, so leiten sie unser Denken und Handeln an, und zwar ohne, dass wir es merken. …

!!! unsichtbaren Rahmen!!!

In der Kognitionsforschung ist man sich daher schon lange einig. Sprache ist Politik. Höchste Zeit also, unsere Naivität gegenüber der Bedeutung politischer Sprache abzulegen.

Beispiel: Sie sollen sich für einen Operation entscheiden
Der erste Arzt sagt ihnen eine 90 % Überlebenschance voraus
Der zweite Arzt sagt ihnen ein 10 % Sterberisiko voraus
Wie entscheiden sie sich?

Zitat Wehling aus ARD-Manual, siehe youTube Vortrag D. Ganser:

… „Nutzen Sie nie, aber auch wirklich nie den Frame Ihrer Gegner. Sagen Sie nicht, Sie finden den Begriff „Lügenpresse“ unangebracht. Denn Frames zu negieren, bedeutet sie zu aktivieren.“ …

Statt „Lügenpresse“ können Sie jeden anderen „Kampfbegriff“ einsetzen. Z.B. „Impfverweigerer“ – Ich argumentiere in Gesprächen mit meinem Frame „Impfverantwortlicher“ … Ich fühle mich für das Impfen und seine Entwicklung verantwortlich. … Das kommt besser rüber und ich bekomme einen Zugang zu den Menschen.

Beispiel des verdeckten Framings s. GEO Ausgabe 2/2021– Impfen

Sie sehen, wie man selbst mit Worten – Begriffen – Metaphern Schaden oder Nutzen anrichten kann, der nachhaltig wirkt! Ich habe mich damals schon über den Begriff „Querdenker“ aufgeregt. Für mich war klar, dass das nicht gut kommen wird. Ich habe damals schon in meinem Bekanntenkreis darauf hingewiesen. Meine Alter-native wäre gewesen „Wahrheitsdenker“. Nun gut wir können nun darüber streiten. Aber nachdenkenswert ist es allemal

Ich könnte jetzt noch einen drauflegen. Es sind die Erkenntnisse des Psychologen Michail Kosinski. Hier betreten wir aber den Raum der Digitalisierung und der Algorithmen. Diesen Raum will ich euch selbst erkunden lassen. Der Artikel liegt als PDF vor und kann von der Homepage runtergeladen werden. Auch sehr, sehr spannend.

Ich will jetzt zum Schluss kommen mit der Frage:

Wie können wir mit all diesen Fakten noch positiv umgehen?

Wie kommen wir da raus?

Das Erste ist, dass wir uns eingestehen. Ja das wirkt auch bei mir!!!
Das Zweite ist, dass wir uns der Zeit stellen. Es ist unsere Zeit. Es sind unsere Probleme, die wir lösen können.
Wir können sie lösen, wenn wir an uns arbeiten, an unserem Bewusstsein und ich bin mir fest davon überzeugt das wirkt so, dass andere ebenso davon „infiziert“ werden.

Wenn wir über unsere Denken nachdenken. Sie fragen, ob das meine Gedanken waren, nur fragen und warten.

Wenn wir über unser Fühlen reflektieren. Waren das wirklich meine Gefühle? Welches sind meine Gefühle? Und wieder warten

Wenn wir über unseren Willen reflektieren, waren das meine Motive,
Abends in einer Art Rückschau und warten.
Es kommt etwas – wir brauchen etwas Geduld, aber wir werden dabei unserer Seele wieder bewusst
Und wenn wir einen tiefen Glauben an unsere Fähigkeiten haben, sich gegenüber Gedanken, Gefühlen und Motiven distanzieren zu können.

Wird es zu schwierig dann:

Geht einfach mal wieder in den Wald – atmet tief ein – reibt euch die Augen – lauscht nach den Geräuschen.
Sprecht mit Menschen und versucht wieder das zuhören zu lernen. Interessiert Euch für ihre „Pseudoumwelten“ –
betrachtet Kunstwerke und „befragt“ diese und wieder warten.
Warten auf Antworten, die aus uns!!!! herausströmen wollen.

Ich will mit dem Anfangszitat von Aristoteles meinen Beitrag beenden und mich für eure Aufmerksamkeit bedanken:

Jede Kunst und jede Lehre, ebenso jede Handlung und jeder Entschluss scheint ein Gut zu erstreben. Darum hat man mit Recht das Gute als dasjenige bezeichnet, wonach alles strebt.

24. 7. 2021 Franz Lessmann-Schreiber
franz.lessmann-schreiber@t-online.de

 

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Wichtige Texte
Camebridge Analytica

Der Psychologe Michal Kosinski hat eine Methode entwickelt, um Menschen anhand ihres Ver­haltens auf Facebook minutiös zu analysieren. Und verhalf so Donald Trump mit zum Sieg.

Von Hannes Grassegger und Mikael Krogerus
Porträt Lauren Bamford

Am 9. November gegen 8.30 Uhr erwacht Michal Kosinski in Zürich im Hotel Sunnehus. Der 34-jäh­rige Forscher ist für einen Vortrag am Risikocenter der ETH angereist, zu einer Tagung über die Gefah­ren von Big Data und des sogenannten digitalen Umsturzes. Solche Vorträge hält Kosinski ständig, überall auf der Welt. Er ist ein führender Experte für Psychometrik, einen datengetriebenen Nebenzweig der Psychologie. Als er an diesem Morgen den Fern­seher einschaltet, sieht er, dass die Bombe geplatzt ist: Entgegen den Hochrechnungen aller führenden Statistiker ist Donald J. Trump gewählt worden.
Lange betrachtet Kosinski Trumps Jubelfeier und die Wahlergebnisse der einzelnen Bundesstaa­ten. Er ahnt, dass das Ergebnis etwas mit seiner For­schung zu tun haben könnte. Dann atmet er tief durch und schaltet den Fernseher aus.
Am gleichen Tag versendet eine bis dahin kaum bekannte britische Firma mit Sitz in London eine Pressemitteilung: «Wir sind begeistert, dass unser revolutionärer Ansatz der datengetriebenen Kom­munikation einen derart grundlegenden Beitrag zum Sieg für Donald Trump leistet», wird ein Alexander James Ashburner Nix zitiert. Nix ist Brite, 41 Jahre alt und CEO von Cambridge Analytica. Er tritt stets im Massanzug und mit Designerbrille auf, die leicht ge­wellten blonden Haare nach hinten gekämmt.
Der nachdenkliche Kosinski, der gestriegelte Nix, der breit grinsende Trump – einer hat den digi­talen Umsturz ermöglicht, einer hat ihn vollführt, einer davon profitiert.
Wie gefährlich ist Big Data?
Jeder, der nicht die letzten fünf Jahre auf dem Mond gelebt hat, kennt den Begriff «Big Data». Big Data bedeutet auch, dass alles, was wir treiben, ob im Netz oder ausserhalb, digitale Spuren hinterlässt. Jeder Einkauf mit der Karte, jede Google-Anfrage, jede Bewegung mit dem Handy in der Tasche, jeder Like wird gespeichert. Besonders jeder Like. Lange war nicht ganz klar, wozu diese Daten gut sein sol­len – ausser dass in unserem Facebook-Feed Blut­drucksenker beworben werden, weil wir grad «Blut­druck senken» gegoogelt haben.

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Zu Gast im dieBasis Café

Dr. rer. nat. Sabine Stebel

Über den Button kommt Ihr zu einer Seite mit einem Video, in dem Ihr Dr. Sabine Stebel hören könnt. Sie war bei uns im Basis Cafe  und der Ortsgruppe Oberes Wiesental, also bereits zweimal im Jahr 2022 zu Gast bei dieBasis. Sie ist ebenfalls Mitglied von dieBasis im Kreisverband Emmendingen.

Schön, dass wir uns einer solchen Vielfalt an Kompetenz unter uns erfreuen dürfen.

Zu Dr. Sabine Stebel: Neue Erkenntnisse zur Impfstoffanalyse aus Deutschland – Dr. Sebel hat einen Abschluss in Biologie von der Universität Freiburg in Deutschland, mit den Schwerpunkten Zellbiologie, Mikrobiologie und Immunologie. Sie hat einen Doktortitel in Genetik und Gain of Function. Sie hat in der pharmazeutischen Industrie gearbeitet, war aber nicht sehr erfolgreich, da ihre ethischen Grundsätze immer ihren Wunsch, Geld zu verdienen, übertrumpften.

 

CDL und Vitamin D

Walter Schmidt-Neuhaus

Über die Buttons kannst Du Dir alle Informationen zu den Wirkmechanismen von Chloridoxid, die Quellenangaben und eine Exceltabelle mit den Modellrechnungen zur Vitamin D Supplementierung V7 herunterladen.

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